Das Schlagwort „Legal-Tech“ ist derzeit in der Anwalts- und Juristenbranche in aller Munde. Dabei ist festzustellen, dass vieles mit dem Etikett „Legal Tech“ versehen wird, was den Namen gar nicht verdient. Was Legal-Tech ist, wurde vielfach im Internet bereits beleuchtet. Dieser Artikel soll abgrenzen, was eigentlich wirklich unter Legal-Tech zu verstehen ist und weswegen ein Etikettenschwindel droht.

Legal-Tech ist mehr als ein Anwaltsprofil

Der Begriff Legal-Tech stammt, wie so oft, aus den Vereinigten Staaten. Dort wird bereits seit der 2000er Jahre geforscht und getestet, wie Anwälte und Kanzleien vom Einsatz juristischer Technologie profitieren können. Das Feld „Legal-Tech“ hat dabei im Laufe der letzten fast zwei Jahrzehnte dabei vielfältige Erscheinungen mit sich gebracht.

So haben sich z.B. Anbieter für juristische Marktplätze gebildet, auf denen Anwälte ihre Kanzlei bewerben und um neue Mandate kämpfen können. Diese Idee gibt es auch in Deutschland durch diverse Anwaltsplattformen. Betrachten Sie z.B. diese Werbeaussage für ein Anwaltsprofil:

Aber sind derartige Formate wirklich LegalTech? Wir wagen das zu bezweifeln. Niemand käme auf die Idee, die gelben Seiten als LegalTech zu bezeichnen, nur weil diese nunmehr auf einer Internetseite oder einem USB-Stick ausgeliefert werden. Wenn derartige Marktplätze damit werben, sie böten die Rechtsberatung der Zukunft, so mag das mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden. Womöglich geht es nur darum, mit dem neuen „Buzzword“ in den Suchmaschinen-Treffern aufzufallen. LegalTech ist das aber im eigentlichen Sinne nicht.

Gerade in den USA haben sich auch Firmen etabliert, die darauf abziehlen mittels Crowdfunding finanzielle Mittel zur Führung von Prozessen bereit zu stellen. Auch das dürfte dank der Technik zwar leichter gefallen sein, da es früher der Fall war. Man bedenke nur, wie viele potentielle Geldgeber man heute über das Internet quer durch alle Bevölkerungsschichten finden kann. Aber ist das wirklich LegalTech?

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Kann herkömmliche Anwaltssoftware Legal-Tech leisten?

Hierzulande werben noch wenige Firmen etablierter juristischer Software, wie z.B. RA-Micro, DATEV oder Renostar – um nur einige zu nennen – damit, dass sie dem Anwalt ermöglichen würden, Legal-Tech zu ermöglichen. Das ist sicherlich auch nicht richtig so.

Denn auch die klassische Software, die einst für den Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt entwickelt wurde, bietet kein Legal-Tech. Diese Software wird auch nicht daurch zu Legal-Tech, dass sie eine Dokumentenmanagement-System vorhält und es dem Anwalt erlaubt, seinen Posteingang aus einer elektronischen Akte heraus zu lesen und mittels bestimmter Verfügungen elektronisch zu „bearbeiten“.

Das ist weder Legal-Tech, noch ein Alleinstellungsmerkmal, sondern sollte in der heutigen Zeit absolut selbstverständlich sein. Auch durch die Einbindung des besonderen elektronischen Anwaltspostfaches beA zieht Legal-Tech nicht in die Anwaltschaft ein und erst recht nicht in die verkaufte Standardsoftware, die eventuell propagiert Legal-Tech zu bieten.

Ohnehin ist festzustellen, dass juristische Standardsoftware zwei Probleme aufweist:

Erstes Problem – Kein Tool passt auf alle Kanzleien

Erstens versucht sie möglichst viele Aspekte abzubilden, indem sie auf die Anwälte abstellt, die die Generalisten sind. Sobald sich aber eine Kanzlei spezialisert hat, findet sie sich in der üblichen Software nicht ansatzweise wieder. Oder glauben Sie, dass eine Kanzlei, die sich auf die Finanzierung von Containerschiffen spezialisiert hat, die entsprechenden Tools in einer Standardsoftware wiederfindet?

Zweites Problem – Wie automatisiert bildet Standard-Anwaltssoftware den juristischen Prozess ab?

Zweitens kennen diese Programme nur eine sehr eingeschränkte Automatisierung. Zwar sind Ansätze von automatischer Dokumentenerstellung oder von Workflows enthalten, aber diese werden nicht konsequent umgesetzt. Eine wirkliche Automatisierung juristischer Arbeit oder eine Fallbearbeitung durch den Computer, unterstützt von Juristen, ist damit nicht möglich. Dabei ist die Software oft mit vielen überflüssigen Konstellationen überladen, bietet nur begrenzt Schnittstellen zu anderer Software und ist nur schwer zu handhaben. Viele Anwälte können sich gar nicht vorstellen, wie leicht Software zu bedienen sein kann wenn nur die Nutzeroberfläche ein bisschen besser gestaltet ist.

Berechtigung des Etikettes „Legal-Tech“ kritisch hinterfragen

Kanzleien sollten daher stets hinterfragen, ob es sich bei dem als Legal-Tech betitelten Produkt wirklich um eine Innovation handelt. In Kanzlei findet sich teilweise die Haltung wieder, man „müsse dringend etwas tun, um den Anschluss nicht zu verlieren“. Wer dann allerdings Die Geldbörse weit öffnet und beim erstbesten Legal-Tech Angebot zugreift, der wird das möglicherweise bereuen.

Anwälte, die ihre Kanzlei optimieren wollen, sollten sich daher fragen, worum eigentlich der echte Mehrwert von Legal-Tech liegt. Zweifelsohne liegt dieser darin, dass mit Hilfe technischer Mittel Arbeitsabläufe verschlankt und (teil-)automatisiert werden können. So werden Fehlerquoten gesenkt und Kosten eingespart. Ein Anwalt, der monatlich 20 Stunden mehr abrechenbare Zeiten produzieren kann, weil juristische und nicht-juristische Tätigkeiten teilweise automatisiert wurden, der hat wirklich etwas von der entsprechenden Softwarelösung.

Es wird nun sicherlich auch Menschen geben, die behaupten, dass eine Kanzlei-Automatisierungs-Software wie von LEGALMATIC nicht „Legal-Tech“ sei, weil sie darunter die komplexe Algorithmen verstehen, die juristische Probleme gewissermaßen von alleine lösen. Aber nun einmal Hand aufs Herz: Wo gibt es derzeit ein allwissendes Programm, das technisch komplett ausgereift ist und vorallem auch noch für eine mittelständische Kanzlei bezahlbar ist? Letztendlich wird es also doch wieder darauf ankommen, welche technische Lösung den Anwalt am besten entlastet und Profit und Fehlerquote maximieren kann.

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